Der „American Idiot“-Workshop

Nachdem der Regisseur Michael Mayer von Green Day die Zusage bekam, für einige Monate mit deren Material zu arbeiten, fand 2008 der erste „American Idiot“-Workshop statt.

Für Musical-Workshops werden meist Musicaldarsteller engagiert, die mit dem Kreativ-Team die Stücke erarbeiten und ausprobieren, dabei in erster Linie an Handlung, Musik und Choreografie basteln, bevor ein Musical in die tatsächliche Produktionsphase kommt.

Darüber hinaus diente dieser Workshop dazu, der Band zu zeigen, wie das Musical später einmal aussehen könnte.

Die neue Orchestrierung

Tom Kitt entwickelte ein Arrangement der Green Day-Songs, das an vielen Stellen bisher noch unerforschte Seiten der musikalischen Bandbreite zeigte.

Eine große Ungewissheit herrschte vor allem beim Orchestrieren der Musik, da weder der Regisseur noch der Arrangeur Tom Kitt einschätzen konnte, wie Green Day auf die musikalische Adaption reagieren würden. Tom Kitt musste den Spagat schaffen, die Parts zwischen den 19 Ensemble-Mitgliedern aufzuteilen und dabei Green Days Kompositionen immer noch respektvoll zu behandeln. Natürlich gab es die Möglichkeit, die Songs wie im Original zu performen, doch das Arrangieren für ein Musical-Ensemble und -Orchester bietet nebenbei noch viele kreative Möglichkeiten, mit der Musik umzugehen.

Tom Kitt sagte dazu in einem Interview: “At our first workshop with Green Day in 2008, I wanted to show that if they really needed to see their album up onstage as is, we could do that, but there were also possibilities here. They [Green Day] flipped over that, and I said to Michael: ‘This is a great sign. We can open up the album and take some chances.”

Somit entwickelte Tom Kitt ein Arrangement der Green Day-Songs, das an vielen Stellen bisher noch unerforschte Seiten der musikalischen Bandbreite zeigte, neue Instrumente einbrachte und vom Solo bis zur mehrstimmigen Chornummer mehrere innovative Facetten auftat. Für die Hörgewohnheiten der Green Day Fans bestimmt ein Novum, jedoch eine interessante Variante der Musik, die es zu entdecken galt. Green Day selbst waren angenehm überrascht bei den ersten Hörproben.

Spannende Charaktere und fesselnde Choreografien

Michael Mayer arbeitete intensiv mit den Darstellern an der Entwicklung der Charaktere.

Michael Mayer arbeitete intensiv mit den Darstellern an der Entwicklung der Charaktere. Diese sollten milde und liebevoll dargestellt werden und einen Gegenpol zu den bedrückenden Themen, die im Musical verhandelt werden, bilden. Durch die Musik und die Choreografie entstand bereits eine aggressive und trostlose Stimmung, die es aufzufangen und mit erhellenden Schlüsselmomenten zu garnieren galt.

Steven Hoggett wollte mit seiner Choreografie einen zum damaligen Zeitpunkt für Musicals unüblichen Weg beschreiten. Wenn sich in einem Musical häufig Tanznummern zu spektakulären Show-Momenten mit eindrucksvoller Akrobatik entwickeln, treiben diese Szenen meist die Handlung nicht voran. Steven Hoggett wollte dies in seiner Choreografie vermeiden und aus Rücksicht auf die Green Day-Fans eine Punk-Atmosphäre erschaffen, die weder kitschig noch langweilig ist. Das Kreativ-Team nahm sich sehr viel Zeit, um die Tanz-Elemente in dem Musical zu integrieren. An dem 9-minütigen „Jesus of Suburbia“ arbeiteten Hoggett und Mayer zwei volle Tage mit der Cast, bis sie die Choreografie nur ansatzweise skizziert hatten. Die Choreografie war insgesamt ziemlich erschreckend und düster, aber auch hervorragend in einen visuellen Kontext gebracht. Zum Beispiel gab es eine Szene, in denen sich das Liebespaar Johnny und Whatsername symbolhaft mit Gummibändern zusammenbindet. Diese Gummibänder benutzen auch Heroinsüchtige, die sich auf der Suche nach einer Vene den Arm abbinden.

Der Green Day-Bassist Mike Dirnt sagte über diese Szene: “To take this scene of Johnny and Whatsername doing heroin and turn it into some of the most beautiful and evocative shapes I’ve ever seen — it was an incredible moment. Real theatre.”

Der Zustimmung von Green Day, das Musical nach dem Workshop in eine erste Aufführungsphase im kalifornischen Berkeley Repertory Theatre zu schicken, stand nichts mehr im Wege und so feierte das Musical schließlich am 4. September 2009 seine Uraufführung.