Von der Idee zum ersten Workshop

Entstehungsgeschichte des Musicals – Foto: Paul Kolnick

Was müssen sich Green Day wohl gedacht haben, als Regisseur Michael Mayer und Produzent Tom Hulce mit der Idee an sie herantraten, aus dem Album „American Idiot“ ein Musical zu machen? Punk Rock und Broadway – passt das überhaupt zusammen?

Dass sich Rock und Musical schon immer miteinander schwer taten, ist kein Geheimnis. Aber wer, wenn nicht Michael Mayer, Regisseur der umjubelten Rock-Musical-Fassung von „Spring Awakening“ aus dem Jahr 2006, könnte diese Idee in die Realität umsetzen?

Der Tony-Award-Gewinner führte u.a. im Jahr 1997 und 1999 bei den Musical-Produktionen „Triumph of Love“ und „You’re a Good Man, Charlie Brown“ am Broadway Regie und feierte mit seiner Inszenierung von Verdis „Rigoletto“ in der Metropolitan Opera 2012 schließlich sein Opern-Regie-Debut. 2014 erlebte das Rock-Musical „Hedwig and the Angry Inch“, das bis dahin in New York nur in einem Off-Broadway-Theater gezeigt wurde, unter Mayers Regie seine Broadway-Premiere.

Ein langer Weg bis zum Musical- Foto: Paul Kolnick

Produzent Tom Hulce arbeitete mit Michael Mayer bereits bei „Spring Awakening“ zusammen. Er ist vor allem für seine Leistungen als Schauspieler bekannt. So spielte er beispielsweise 1984 die Titelrolle in „Amadeus“, wofür er eine Oscar-Nominierung bekam und synchronisierte Quasimodo im Disney-Film „Der Glöckner von Notre Dame“. Nach insgesamt acht Tony Awards für „Spring Awakening“ arbeitete das Team Mayer und Hulce nun an der Musical-Produktion „American Idiot“.

Die Idee für das Musical entstand schon während ihrer Zusammenarbeit bei „Spring Awakening“. Die beiden nahmen ersten Kontakt zu Green Days Management auf und so besuchte Billie Joe Armstrong schließlich eine Vorstellung von „Spring Awakening“. Michael Mayer sagte später in einem Interview mit Playbill:

„Billie Joe loved the show and we had just this fantastic meeting. We had some drinks and we went out, actually, to Bar Centrale and just talked deep into the night about everything – about theatre, about music, about our childhoods, and about some of the very beginnings of my ideas about how to turn this into a fully stage-worthy musical thing, whatever it was.“

Produzent Tom Hulce arbeitete mit Michael Mayer bereits bei „Spring Awakening“ zusammen. Foto: Paul Kolnick

Green Day veröffentlichte „American Idiot“ bereits mit dem Hintergedanken, eine Mini-Punk-Rock-Oper aus dem Konzeptalbum zu machen. Die Platte erzählt die Geschichte von den fiktiven Figuren Jesus of Suburbia und St. Jimmy, die in einer amerikanischen Vorstadt ein zügelloses und zerstörerisches Leben führen. Mayer formte aus dieser Grundidee eine komplexere Handlung mit mehreren Charakteren. Dass sich im Endeffekt die Geschichte um die drei Freunde Johnny, Tunny und Will dreht, ist nicht nur zufällig eine Anlehnung an die Freundschaft, die die Bandmitglieder von Green Day miteinander verbindet.

Michael Mayer bekam 2008 von Green Day die Erlaubnis, innerhalb von sechs Monaten ein konkretes Konzept für die Musical-Produktion auszuarbeiten. In dieser Zeit veranstaltete Mayer einen ersten Workshop zu „American Idiot“. Neben Tom Kitt, der unter anderem die Musik für „Next to Normal“ schrieb und eine neue Orchestrierung der Songs ausprobierte, konnte Steven Hoggett als Choreograph für das Projekt gewonnen werden. Dieser Workshop diente dazu, die Handlung, Musik und Choreografie für die Produktion zu entwickeln und Green Day eine Vorstellung davon zu geben, wie das Musical einmal aussehen könnte und welche neuen Möglichkeiten der Stoff und die Musik, aufgearbeitet für eine Musical-Bühne, hergeben können.